Jahreswechsel mit Lucia

Hätte ich eine Tochter, würde ich sie gerne Lucia nennen. Und ihr Bruder könnte Friedrich heißen. Warum das für mich schöne Namen sind, darum geht es heute im Lautwert-Blog.

Jahresschluss – das Fest der tausend bunten Lichter. Oder war das Weihnachten? Das nach der Meinung viel zu vieler am 27. Dezember zu Ende ist. Ist es nicht. Alle christlichen Konfessionen sind sich einig: Das eigentliche Weihnachten ist nicht das Fest der Geburt Jesu, sondern sein Zu-Tage-Treten als verheißener Erlöser.

Aber wen interessiert das außerhalb von Gotteshäusern? Kaum jemanden. Wem von den selbsternannten Hütern eines vermeintlich christlichen „Abendlandes“ sagt das Wort „Epiphanie“ etwas? – Nein, das ist nicht Lateinisch, ihr pseudo-alternative Haudegen.

Das hier dagegen ist Latein: „Ex oriente lux“. Selbst die größten Verächter aus ihrer Sicht östlich gelegener Regionen können nicht leugnen, was schon die alten Römer wussten. Im Osten geht die Sonne auf, von da kommt jeden Tag das Licht. Zugegeben, abends wird’s im Osten auch zuerst zappenduster.

Was die Söhne der Caesaren noch nicht drauf hatten, haben unsere näheren Vorfahren von fernöstlichen Meistern gelernt: Feuerwerk. Die Nacht zum Tage machen, das geht vorzüglich mit Brennstoff, der sein eigenes Futter mitbringt. – Ich kann mich noch gut an mein erstes Experiment mit selbstgemachtem Schwarzpulver erinnern. Sehr hell, sehr lebendig. Und infernalisch stinkend. Da war eben auch Schwefel drin, wie es sich gehört.

Als ich damals Kohle, Schwefel und Ka…äh, Sauerstoff zusammenrührte, wusste ich wenigstens, was sich nicht gehörte und ich auch nicht wollte: Etwas kaputt machen. Am wenigsten mich oder andere Lebewesen. Bei den Pyrotechnik-Bastlern in meiner Nachbarschaft habe ich da so meine Zweifel.
Eigentlich ist es sogar eine Gewissheit: Diesen Jungs (und Mädels, wie ich sie heute beim Zündeln sah) geht es darum, Ärger zu machen, Schaden anzurichten. Stichwort Vandalismus. Ich werde immer noch traurig und wütend, wenn ich an Emil im Neuköllner Schulenburg-Park vorbeikomme.

Emil ist ein Zwerg. Eine aus Holz geschnitzte, zwerggerecht lebensgroße und liebevoll bemalte Märchenfigur. Beziehungsweise war er das. Seit einiger Zeit sieht er aus wie Allvater Odin. Er hat nur noch ein Auge und sein Gesicht ist rabenschwarz. Raben-schwarz, capisce Neo-Germane?
Mutmaßlich waren es keine Rechtsausleger, die Emil zu Odin gemacht haben, die Feuerwerker Neuköllns sind weltanschaulich und von ihrer gefühlten wie familiären Herkunft her breit aufgestellt. Was sie offensichtlich eint: Hauptsache gefährlich, laut und lästig. Mir wurde von Augen- und Ohrenzeugen erzählt und ich habe selbst erlebt, wie diese selbstbewussten Jungspunde mit Ordnungshütern und Nachbarn umspringen. Das ist echt nicht feierlich.

Und jetzt kommt ein Fest, an dem sie ihrer Leidenschaft ohne Limit nachkommen können. Eigentlich nicht dürfen, denn selbstgebaute Feuerwerkskörper sind auch zu Silvester verboten. Wer aber soll das überwachen oder gar ahnden? Polizei und Feuerwehr haben in der Neujahrsnacht ganz andere Sorgen. Nicht nur in Berlin.

Kompletter Szenenwechsel, weg von Neukölln, weg von Silvester. Einen Tag zuvor hatte ich die Freude, einen Orgeldienst in Lüneburg zu spielen. Aus Gründen, die hier nichts zur Sache tun, hielt ich mich vorher länger in der Sakristei auf und hatte so Gelegenheit, mich „backstage“ ausgiebig umzusehen. Auf dem großen Tisch, der in der Sakristei von St. Marien in der Mitte steht, stand unter anderem ein Schild mit der Aufschrift „Friedenslicht aus Bethlehem“. Die Stelle war zwar leer, aber das Licht dürfte schon noch in der Kirche gewesen sein. Schließlich war immer noch Weihnachtszeit, das Fest der Heiligen Familie, um ganz genau zu sein.

Familie, Licht, Frieden – das ist eine Wortreihe nach meinem Herzen. Und im Grunde spricht nichts dagegen, mit diesen drei einen Jahreswechsel zu gestalten.

1 Gedanke zu „Jahreswechsel mit Lucia

  1. Absolut lesenswert, aber, wie schon selbst bemerkt, geht ein Großteil der Gesellschaft in eine andere Richtung, obwohl doch täglich zu hören und zu beobachten ist, daß diese gottlose Richtung in die Irre führt in vielen Familien, Gruppen.
    Auch immer mehr Weltpolitiker praktizieren täglich, wohin die Reise geht. Leider sind auch die christlichen Priester und Würdenträger oft alles andere als Vorbilder.

    Erst heute schrieb Kardinal Walter Brandmüller (90 Jahre alt) in der Presse, was er von dem „Laden“ hält.
    Ich halte mich an die göttlichen Wurzeln und habe damit wenig Probleme, die wichtige und christliche Orientierung zu verlieren. Und diesen Weg werde ich auch für andere erkennbar weiter gehen.

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